"Ullemulle, König der Herzen"

Von Sabine Weber |
1928 begibt sich Amanullah Khan, König von Afghanistan, auf Europareise. Der junge Monarch will sich Anregungen für die weitere Modernisierung seines Landes holen. Vieles hat er schon auf den Weg gebracht: allgemeine Schulpflicht, Gleichbehandlung von Mann und Frau und Trennung von Kirche und Staat sind nur einige seiner bisherigen Reformen.
Als Amanullah im Februar in Berlin Einzug hält, wird ihm unter reger Anteilnahme der Bevölkerung ein prachtvoller Empfang bereitet – eine halbe Million Reichsmark bringt die hoch verschuldete Republik dafür auf. Für die deutsche Regierung ist es ein erster Schritt hin zu neuer außenpolitischer Souveränität; für die Berliner ist es die Begegnung mit einem Märchenkönig. Liebevoll verballhornen sie seinen Namen zu "Ullemulle".

König Amanullahs Besuch bildet den vorläufigen Höhepunkt im guten deutsch-afghanischen Verhältnis, das im Ersten Weltkrieg seinen Anfang nahm. Doch als Amanullah nach Kabul zurückkehrt, wird er als angeblich "Ungläubiger" gestürzt. Eine deutsche Zeitung berichtete, und es klingt beklemmend aktuell: "Allerdings scheint alles, was Amanullah für die Modernisierung des Landes getan hatte, vernichtet."